Aus der Reihe: Mit Soemer durch das Kirchenjahr

 

O stiller Sabbath! Christi GrabesruhAuferstanden

Und seine Auferstehung feierst du,
Wie sie die ersten Christen in der Nacht
Gefeiert in geheimnisvoller Pracht.

Das Feuer segnend, steht im Pluvial
Der Priester mit den Dienern am Portal:
Wie neu, aus Stahl und Stein, die Gluth entfacht,
Ist Christus neu zum Leben auferwacht.

Der Festzug wallt zurück ins Gotteshaus,
Den Dreizack trägt der Diakon voraus,
Er kniet, sein Jubelruf "Licht Christi!" schallt;
Und "Gott sei Dank!" singt fröhlich Jung und Alt.

Es preist des Auferstand´nen Herrlichkeit,
Da er sein Bild, die Osterkerze, weiht
Und in ihr Wachs fünf Weihrauchkörner drückt,
Weil mit fünf Wunden sich der Herr geschmückt.

Zwölf Prophezieen und Gebete spricht
Der Priester bei dem neuen Kerzenlicht:
Dem Sünder sagen sie geheimnisvoll,
Wie seine Seele auferstehen soll.

Der Taufbrunn´ wird geweiht und angehaucht,
Die Osterkerze dreimal eingetaucht:
Dem Wasser gibt der Geist des Herrn die Kraft,
Die Gottes Bild im Menschen neu erschafft.

Was stellt sich hinter dem Seelenauge dar?
Wir schaun der ersten Christen weiße Schaar.
Die heute mit dem Heiland auferstand
Und aus dem Wasser stieg ins Taufgewand.

Wir senden ihnen Grüße himmelan,
Wir rufen alle Auserwählten an:
Die Heil´gen sollen für uns Sünder flehn,
Daß wir mit Christo geistig auferstehn.

Die Orgel rauscht, der Osterruf ertönt
Beim heil´gen Opfer, daß die Feier krönt:
Wie himmlischsüß das Alleluja klingt!
O selig, selig, wer es ewig singt!

 

 

Peter Soemer, Das Kirchenjahr 1887

Bild: (KMS) Ausschnitt aus einem der Turmfenster der
kath. Pfarrkirche St. Antonius em. Rönkhausen