Papstbesuch 1996

Der letzte Besuch einen Papstes in Paderborn muss wohl im Jahr 799 gewesen sein, als Leo III. bei Karl dem Großen in Paderborn Zuflucht fand.
Für das angehende Europa ein Meilenstein der Geschichte. Wahrscheinlich haben die beiden Herren auch bei diesem Besuch die Kaiserkrönung Karls "besprochen".
Nun, 1197 Jahre später trifft der Pontifex Maximus, der Nachfolger des heiligen Apostels Petrus, Johannes Paul II. in Paderborn ein, um, nach seinen Worten: Das Wort Gottes der Welt zu verkünden".
... emsiges Putzen frommer Ordensschwestern, Probeläufe der Küche, Erstellung von Dienstplänen, Absicherung von Gebäudeteilen, das Durchsuchen des Hauses nach Sprengstoffen und das Umquartieren einiger damaliger Mitbrüder in einen anderen Gebäudetrakt waren nur einige der Vorbereitungsaktivitäten, die vor genau 13 Jahren endeten und den hohen Besuch von Papst Johannes Paul II. ankündigten. Nach über 1000 Jahren wollte wieder ein Nachfolger Petri seinen Fuß in das Land an der Pader setzen, um den Gläubigen Hoffnung zu schenken.
Für uns "Leos" war es ein großartiges Ereignis. Wir lebten mit dem Papst unter einem Dach, konnten davon ausgehen, dass wir ihm persönlich begegnen können und hofften, auch einige Worte mit ihm zu wechseln.
Nachdem wir nur noch mit Sicherheitsausweisen auf das Gelände kamen, wurde es doch sehr konkret. Am späten Nachmittag des 21.Juni 1996 landete der Hl. Vater auf dem Flughafen Paderborn Lippstadt, wurde von dort mit dem Hubschrauber zum Parkplatz an der Rathenaustraße geflogen und bestieg dort das Papamobil, um über die Bahnhofstraße, den Liboriberg, das Kasseler Tor und die Leostraße zum Leokonvikt zu kommen.
Wir erwarteten den Papst am Hintereingang des Konviktes, begrüßten ihn mit einem Strauß Blumen, einem Plakat und wünschten ihm einen guten Aufenthalt in Paderborn.
Am Abend nahm der Hl. Vater noch sein Abendessen ein und bereitete sich auf den Samstag vor. Dem Tag, an dem in der Senne mit vielen tausend Gläubigen die Hl. Messe gefeiert wurde.
Vor dem Leokonvikt hatten sich Gruppen von Schülerinnen und Schülern versammelt, sangen Lieder für den Hl. Vater und spendeten Beifall für diesen charismatischen Mann.
Am frühen Samstag morgen hielten wir in der Aula (die zur Kapelle umgebaut war) ein Morgengebet. Aus der Paderhalle hatten wir eine transportable Orgel besorgt und die Schola des Leokonviktes sang einige Psalmen und Lieder im Wechsel mit den Studenten, dem Papst und den Hausangestellten.
Nach der morgendlichen Andacht hatte jeder von uns die Gelegenheit, dem Hl. Vater die Hand zu geben, jeder bekam einen Rosenkranz vom Papst geschenkt und der Ein oder Andere ließ sich in seinem Brevier eine Unterschrift geben.
Nach der Andacht hieß es für einige von uns dann schon "Aufbruch in die Senne". Der Ministrantendienst (Darunter der Senior und der Consenior des Leokonviktes - ich war damals Senior) durften den Dienst am Altar versehen.
Es war großartig. Die Logistik hinter dem Altar, der VIP Bereich mit Tee, Kaffee und Schnittchen, die gespannten Gesichter, Schweitzer Gardisten, Sicherheitsbedienstete, Catering all diese mitsamt der anwesenden Priester und Bischöfe verbreiteten eine sehr festliche und erhebende Stimmung. Hektik war nur vereinzelt spürbar.
Nachdem wir uns für den Altardienst gerüstet hatten, die liturgische Kleidung trugen und die Gläubigen auf der anderen Seite der
Altarwand bereits den Papst im Papamobil empfingen, sammelten wir uns und stellten uns auf.
Der Papst traf dann ein, begrüßte den Altardienst mit Handschlag, brachte jedem einen Rosenkranz mit und ging zur Sakristei, die in einem Container untergebracht war. Dort entschied sich der Hl. Vater auf Zureden eines lieben Mitbruders für das Tragen eines Liborigewandes. Msgr. Marini, der päpstliche Zeremonienmeister des Papstes hatte vorher Bedenken, weil er der Meinung war, dass der Papst nicht herumlaufen solle, wie eine Litfasssäule, doch der Hl. Vater erkannte unsere Liebe zu den Traditionen und zu unseren Festgewändern, die den Hl. Liborius verherrlichen, dessen Reliquien eigens auch in die Senne gebracht worden waren.
Zur Händewaschung und zum Einlegen des Weihrauches durften wir dann nach dem Ankleiden des Papstes auch in die innere Sakristei, um dem Papst zu assistieren. (Elmar, mein Con-Ministrant hat nachher das "Lavabo"-Tuch als Andenken behalten dürfen)
Die Messe war wunderschön. Zwar hatte sich inzwischen auch Regen angemeldet und wir alle waren gezwungen, Regenschutzkleidung über den liturgischen Gewändern zu tragen, aber zum Evangelium schien dann die Sonne und ließ sich nicht mehr vertreiben.
Nach der Messe fuhren wir dann wieder zurück nach Paderborn. Am Nachmittag fand dann eine ökumenische Andacht im Dom statt, an der der Hl. Vater teilnahm, aber wir hatten nur teilweise Karten für dieses Ereignis erhalten. Ich hatte mich nach der Messe mit meiner Mutter getroffen, die auch in der Senne war, dementsprechend war ich nicht in der Vesper.
Abends fand dann mein persönliches Highlight statt. Der Hl. Vater aß mit den Mitgliedern der deutschen Bischofskonferenz in der Mensa des Leokonviktes zu Abend. Ich hatte die große Ehre, den Hl. Vater persönlich am Tisch zu bedienen. Dort hatte ich dann auch die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen und ich konnte mir von ihm persönlich eine Unterschrift auf einem Blatt sichern, auf dass ich vorher das päpstliche Wappen gemalt hatte. Schon immer hatte ich mir als Kind und Jugendlicher gewünscht, einmal dem Papst persönlich nahe sein zu können, hatte immer gehofft, dass irgend jemand für mich eine Fernsehsendung wie "Wünsch Dir was" anschreibt und für mich diesen Wunsch formuliert, aber das war alles nicht geschehen, durch göttliche Fügung hatte ich das unendliche Glück, das erleben zu dürfen, was ich mir immer gewünscht hatte - und es war großartig!
Am Sonntag Morgen verließ der Hl. Vater Paderborn dann wieder. Er flog vom Sportplatz des Leokonviktes aus mit Hubschraubern der Bundeswehr direkt nach Berlin. Wir hatten uns alle zum Abschied wieder am hinteren Ausgang des Leokonviktes versammelt, um den Hl. Vater zu verabschieden. Die Wartezeit verkürzte uns unser Erzbischof, der mit bester Laune mit uns wartete und durch sein Lachen gute Laune verbreitete.
Als der Papst dann aus dem Konvikt kam und an uns vorüberging, schaute er uns an, bedankte sich mit Gesten und winken und zeigte an, dass wir ihm zum Hubschrauber folgen sollten. So folgten wir, gegen protokollarische Vorschriften, bis zum Hubschrauber und verabschiedeten den Papst mit Winken und Rufen:
"Johannes Paul der zweite, wir steh´n an Deiner Seite!"
Ich war nicht der Einzige, der vor Ergriffenheit Tränen in den Augen hatte.
Papstbesuch 1996